Auf der Suche nach den Details – Makrofotografie


Frühlings-Krokus2_DSC7601Wir Menschen sind es gewöhnt, vor allem den großen Dingen Beachtung zu schenken bzw. sie richtig wahrzunehmen. Das liegt sicher zum größten Teil daran, dass wir in einer Welt voller Hektik und Stress leben, in der es keine Zeit für „Sich-mit-den-kleinen-Dingen-zu-beschäftigen“ gibt ;-), so z.B. fürs Bewundern der einzigartigen Natur.

Dieses Gefühl kenne ich persönlich sehr gut oder soll ich besser schreiben „kannte“? 🙂 Seitdem ich mich für die Fotografie generell und für die Makrofotografie speziell interessiere, sehe ich die Welt mit ganz anderen Augen. Ich entdecke Dinge, die ich früher nie im Leben mit bloßem Auge gesehen hätte. Ich achte auf winzige Motive, die ein anderer noch nie im Leben gesehen hat, geschweige denn, sich über die Existenz des Lebenwesen Gedanken gemacht hat.

Ich muss dazu noch betonen, dass ich eigentlich kurzsichtig bin und Brille bzw. Kontaktlinsen trage, komischerweise sehe ich aber die kleinen Tierchen oder Insektchen auch ohne Brille. Ich habe auch ziemlich große Angst vor Spinnen, aber mit der Kamera kann ich die Angst ausblenden und mich nur auf das Motiv konzentrieren, also die Fotografie hat auch heilende Wirkung auf mich! 🙂

Das Wunder „Makrofotografie“ und wie ich gelernt habe, sie zu sehen, vergleiche ich oft gerne mit einer Führerscheinprüfung. Jetzt fragen sich sicher einige, was hat das eine mit dem anderen zu tun?! Ganz einfach: Bevor ich die Prüfung gemacht und bestanden habe, habe ich nie auf Verkehrszeichen geachtet, erst seitdem ich das Fahren richtig gelernt habe, sehe ich sie bewusst bzw. beachte sie. Dasselbe ist mit der Makrofotografie. Früher habe ich die kleinen Lebewesen, die kleinen Pflanzchen & Tierchen nicht gesehen, jetzt kann ich kaum an ihnen vorbeigehen, ohne sie zu bewundern oder im besten Fall zu fotografieren. Dadurch bin ich auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher geworden und erlebe sicher mehr als ein „normaler“ Mensch, der hektisch durch die Welt rennt, findet ihr nicht?

Biene_DSC0518

Makrofotografie schult unser Auge, aber viele von euch fragen sich vielleicht, was Makrofotografie überhaupt ist? Ganz einfach, in der Fotografie sprechen wir von einer Makroaufnahme, wenn das zu fotografierende Objekt bis zu einem Abbildungsmaßstab 1:1 abgebildet werden kann. Normalerweise sind wir an Objektive gewöhnt, die maximale Abbildungsmaßstäbe im Bereich von 1:7 bis 1:10 erzielen. Makroobjektive können oder sehen mehr bzw. lassen uns viel mehr von der Welt sehen!

Was gibt es denn schöneres, als mit einem Objektiv winzigkleine Motive festzuhalten, die dann auf dem Bild riesengroß dargestellt werden können? So z.B. eine kleine Fliege oder eine Ameise, die man mit einem bloßen Auge kaum sehen kann, kann zu unserem Hauptmotiv auf dem Bild werden. Was muss man aber eigentlich genau beachten, um so ein kleines Motiv scharf und mit richtigem Maßstab abzubilden?

Biene-DSC_0355

Bevor ich die Fragen beantworte, möchte hier einige Grundregeln nennen, die für die Makrofotografie unentbehrlich sind:

„Richtige Ausstattung ist das A und O der Makrofotografie!“

Das ist auch wahr. Das wichtigste ist eine DSLR zu haben und ein Makroobjektiv. Da ich mit Nikon fotografiere, empfehle ich hier das Objektiv Nikon AF-S VR 105/1:2,8 Micro (Kosten um die 759 EUR). Das Objektiv ist zwar ziemlich schwer und wenn man einige Stunden unterwegs ist, kann man sich über Nackenschmerzen beklagen, trotzdem sind die Ergebnisse es wert, das Leiden auf sich zu nehmen :-). Wer im Besitz des Objektivs ist, kann es sicher bestätigen, dass man damit sehr nah ans Motiv rangehen und es im Nachhinein weit vergrößern kann. Kombiniert mit einer hohen Lichtstärke und sehr guter Abbildungsleistung steht der Makrofotografie mit diesem Objektiv praktisch nichts im Weg.

Wie es bei der Fotografie so ist, muss man auch mit dem Objektiv viel üben, um richtige bzw. zufriedenstellende Ergebnisse zu bekommen. Es ist sicher nicht einfach, den richtigen Fokuspunkt mit dem Objektiv zu finden. Wenn man sich nur ein paar Milimeter bewegt, ist man schon wieder raus aus dem Fokus, abgesehen davon ist es sowieso schwierig, genau zu entscheiden, auf welchen Punkt man fokussieren möchte. Deswegen ist es in vielen Fällen einfach besser, auf die manuelle Fokussierung umzustellen. Bei dem Objektiv beträgt die Tiefenschärfe nur einen Milimeter, deswegen sollte man nicht unter f/5,6 oder noch besser f/16 einstellen. Damit hängt natürlich das fehlende Licht zusammen, was wiederum bedeutet, ohne Stativ wird nix.

Wie ihr seht, ist es nicht so einfach mit dem tollen Objektiv zu fotografieren, dabei habe ich nur einige Schwierigkeiten erwähnt, die zu beachten sind. Ich möchte mich aber hier nicht nur auf dieses Objektiv beziehen, schließlich ist das nur ein Teil des breiten Themas. Wichtig ist auf jeden Fall noch zu erwähnen, dass Makroobjektive generell teuer sind und dass gute Makroobjektive in der Regel Festbrennweiten sind, was die Arbeit eines vielseitigen Fotografen noch weiter erschwert, weil er auf einer Wanderung mit mehreren Objektiven wandern muss (das kennen wir aber alle sehr gut, oder?).

Blume_DSC4204

Wie bereits erwähnt, zeichnet sich Makrofotografie durch größere Abbildungsmaßstäbe aus. Um sie zu erzielen, kann man sich aber auch mit „billigeren“ Alternativen helfen und nicht unbedingt die teure Lösung, also das Makroobjektiv, wählen, besonders wenn man nicht so oft diese Art der Fotografie betreibt. Zu den billigeren Varianten gehören u.a. Nahlinsen, Zwischenringe, bzw. ein Balgengerät.

Nahlinsen sind nichts anderes als Sammellinsen, die genauso wie ein Filter auf das Objektiv aufgesetzt werden. Die Wirkung von Nahlinsen ist oft mit der Wirkung einer Lesebrille vergleichbar: Sind die Arme zu kurz, verkürzt die Lesebrille die Sehdistanz. Eine Nahlinse verkürzt dagegen die Entfernung zum Motiv, das heisst, das Objektiv wird dadurch nahsichtig. Das führt wiederum dazu, dass der Abbildungsmassstab erhöht wird.

Ein Lichtspiel_DSC4205

Zwischenringe, wie der Name schon sagt, werden bei DSLRs (und nicht nur) zwischen das Objektiv und das Kameragehäuse eingesetzt. Dies dient wie bei Balgengeräten der Verlängerung der Bildweite, um einen größeren Abbildungsmaßstab für den Nahbereich zu erhalten, also genau richtig für die Makroaufnahme.

Ein Balgengerät verlängert wiederum die Verbindung zwischen Objektiv und Kamera. Die Befestigung des Objektivanschlusses und des Kameraanschlusses wird auf einer Schiene bewegt. Ein Balgen verbindet das Objektiv und die Kamera lichtdicht. Dadurch wird die Bildweite erheblich vergrößert, wodurch die Weite zum Motiv verkleinert und der Abbildungsmaßstab vergrößert werden kann.

Mit Hilfe dieser Geräte kann ein Fotograf seiner Kreativität einen freien Lauf geben. Was er noch alles beachten muss, welche Blende am besten gewähnt werden soll bzw. welche Tipps ich noch so kenne, verrate ich euch nächste Woche. Bevor ich mich von euch verabschiede, möchte ich aber noch eins schreiben:

Feldblumen_DSC9805

Nicht nur der große Abbildungsmassstab ist so reizend für die Entscheidung, sich mit der Makrofotografie mehr zu beschäftigen, sondern auch die genannte Kreativität.  Ich glaube, in keinem anderen Bereich kann man so viele fotografische Möglichkeiten austesten, neue Sichtweisen einem Bild verleihen, wie es in der Makrofotografie der Fall ist. Nicht nur Lebewesen, aber auch bestimmte Strukturen, abstrakte Motive lassen sich auf unterschiedliche Art und Weise festhalten. Fotografische Experimente mit geringster Schärfentiefe sind gute Beispiele dafür.

Störende Hintergrundelemente lassen sich in der Makrofotografie perfekt durch geringe Schärfentiefe ausblenden und und und….Ich könnte hier Romane schreiben, um das Besondere an der Makrofotografie zu nennen, aber ich werde nächste Woche das Thema fortsetzen und mache mit schwerem Herzen Schluss für heute.

Ich freue mich über euer Feedback und wünsche euch allen jetzt schon FROHE OSTERN!

Vorschau auf nächste Woche: Fortsetzung Makrofotografie

26 Gedanken zu “Auf der Suche nach den Details – Makrofotografie

  1. Pingback: Blumenfotografie – worauf achte ich besonders? | bilere's Blog

  2. Pingback: Makrofotografie – Teil 2 | bilere's Blog

  3. Mit der Makro-Fotografie habe ich mich noch nicht berschäftigt, ehrlich gesagt. Ich sehe allerdings an deinen tollen Bildern, dass mir da was entgangen ist. Eine Foto von einer Hummel ist mir schon gelungen und ein Bienchen ließ sich auch problemlos in einer Sonnenblume sitzend fotografieren. Zugegeben dieses Bild mit einem Makro fotografiert hätte sicher anders gewirkt. Ich habe eben nochmal nachgeschaut bei meiner Minolta hatte ich ein Objektiv mit Makro.Deine Beschreibung hinsichtlich der Schlepperei kann ich nachvollziehen. Früher hatte ich eine große Fototasche für meine gesamte Ausrüstung. Nach einem Tag beim Autorennen in Hockenheim spürte am Abend keine Schulter mehr.
    Nun freue ich mich auf deine Fortsetzung am kommenden Wochenende.

    Eine gute Woche für dich.

    Salut

    Helmut

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    1. Lieber Helmut, danke dir. Wenn ich auf eine Fotowanderung gehe, wiegt mein Rucksack mind. 10 kg. Nach einem ganzen Tag bin ich fix und fertig, aber auch glücklich, besonders wenn mir die eine oder andere Aufnahme gelungen ist. Was für Objektiv hast du für die Makroaufnahmen für deine Minolta? LG und dir auch eine schöne Woche! Kati

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    1. Liebe Beat, das freut mich, dass es dir ähnlich geht. Ich denke, man lebt auch viel bewusster, wenn man so viele Sachen zusätzlich beachtet und das finde ich sehr schön. Liebe Grüße euch beiden & viel Spaß auf euren Reisen! Kati

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  4. Zur Makro-Fotografie fühle ich mich seit langem schon hingezogen – aber mir fehlt das entsprechende Objektiv… Vor einigen Tagen bin ich im WWW über ein Sonderangebot gestolpert: eine Nikon D5100 mit einem makrotauglichen Objektiv. Da musste ich mich ganz schnell von der entsprechenden Website verabschieden, sonst hätte ich vielleicht eine „kleine Eselei“ begangen. 😉

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    1. :-). Das kenne ich sehr gut. Ich schiebe oft irgendwelche Objektive auf meine Wunschliste, u.a. auf Amazon, und dann gehe ich schnell wieder raus, weil ich sehr gut weiß, dass ich mir das Objektiv gar nicht leisten kann. Schade, dass die Preise nicht so schnell runter gehen :-). Lg

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  5. Das ist ein hochinteressanter Artikel! Danke schön, es hat mich stellenweise richtiggehend fasziniert! Gerade heute habe ich an einem Fotografiekurs teilgenommen, um mit der Kamera noch besser klarzukommen als bisher und mein Wissen zu erweitern, aber deine Details bezüglich der Makroaufnahmen sind noch einmal eine spezielle Bereicherung!
    Und wirklich sehr gelungene Aufnahmen! Gratulation.

    PS: Vielen Dank auch für den Besuch bei mir im Blog!

    LG Michèle

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