Makrofotografie – Teil 2


Blümchen_DSC8526Bevor ich zum tatsächlichen Thema komme, wollte ich euch allen Frohe Ostern/Happy Easter/Wesołych świąt wünschen! Genießt die Feiertage mit euren Familien, mit Freunden! Schade, dass das Wetter nicht mitspielt, aber immerhin regnet es nicht :-).

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Ich muss ehrlich zugeben, dass ich eigentlich meine rechte Hand ruhig stellen soll, weil ich Sehnenscheidenentündung habe, aber ich wollte euch nicht im Stich lassen :-). Mittelerweile bin ich süchtig danach, einmal wöchentlich, praktisch immer am Sonntag, einen Artikel für euch zu schreiben. Das macht richtig vielSpaß, auch wenn die Hand schmerzt ;-). Heute komme ich wie versprochen zum zweiten Teil meines Artikels über die Makrofotografie.

„Nah genug an das Motiv rangehen“, ist die Devise der Maktofotografen, es ist aber längst nicht die einzige Regel, die du befolgen sollst, um gute Makrofotos zu bekommen. Letzte Woche habe ich mit einigen Worten versucht zu erklären, welche Ausrüstung für Makrofotografie wichtig ist, diesmal widme ich meinen Artikel weiteren praktischen Tipps, die für dich als begeisterten Makrofotografen unentbehrlich sind. Dazu gehören meiner Meinung nach vor allem:

Das Licht: Es ist praktisch die wichtigste Regel, die man befolgen muss, um gute Ergebnisse zu erziehen und das nicht nur in der Makrofotografie. Ohne Licht gäbe es kein Foto, ohne gutes Licht hat man kein gutes Foto und was meine ich eigentlich, wenn ich „gutes Licht“ schreibe? Natürlich meine ich damit weiches Licht, kein hartes, das Schatten wirft, d.h. kein direktes Sonnenlicht, das oft zu Überbelichtugen und somit zum „verbrannten“ Motiv führen kann. Weiches Licht ist nichts anderes als diffuses Licht, dem man in der Früh oder am späten Nachmittag (am Abend) begegnen kann. Auf keinen Fall sollte man bei strahlender Sonne fotografieren, es sei denn, man dreht sich mit dem Rücken zur Sonne oder fotografiert von der Seite. Direktes Sonnenlicht überstrahlt die Motive, was man nicht immer auf den ersten Blick sieht.

Wenn man sich nicht sicher ist, ob das Motiv überbelichtet oder unterbelichtet ist, sollte man auf das bereits oft erwähnte Histogramm auf der Kamera zurückgreifen. Überbelichtung bedeutet, die Kurve im Histogramm befindet sich viel zu weit rechts und ist nicht gleichmäßig verteilt. Man kann die Kamera auch so einstellen, dass sie direkt auf dem Motiv die überbelichteten Stellen schwarz aufleuchten lässt, sogenannte „Überbelichtungswarnanzeige“. Es reicht dann beim Histogramm mit dem Cursor weiter nach unten/oben zu gehen.

Wenn das Motiv zu dunkel ist, wenn es viele Schatten gibt bzw. wir befinden uns an einem ziemlich dunklen Ort, hilft oft sehr, wenn man einen Diffusor oder einen kleinen Reflektor dabei hat. Ich habe oft nur eine kleine Taschenlampe dabei, die ich von der Seite auf das Motiv ganz vorsichtig aufleuchten lasse. Ich rate auf keinen Fall dazu, den in der Kamera integrierten Blitz zu benutzen (das Motiv wird oft „plattgeblitzt“), viel besser ist in dem Fall ein Ringblitz (extra für Makrofotografie). Ein Ringblitz wird vorne am Objektiv befestigt und leuchtet das Motiv frontal und gleichmäßig aus. Ein externes Blitzgerät mit einem eingebauten Diffusor als Aufsatz ist auch viel besser als ein integrierter Blitz. So ein Diffusor macht aus hartem Licht weiches Licht. Dadurch werden extreme Licht-Schatten-Kontraste vermieden und das Motiv sieht einfach stimmig aus.

Zur Info: Als Diffusor gelten auch weiße Schirme oder einfach ein Stück weißes Papier.

 

Die Schärfe: Bitte denkt daran, die Automatik unbedingt auszuschalten und den manuellen Fokus zu verwenden. Mit Automatik kommt man oft nicht nah genug an das Motiv ran, das sehen wir an meinem unteren Bild. Natürlich kann man behaupten, dass ich das Motiv extra so gewählt habe, aber wenn man Maktofotografie betreibt, wird man ganz schnell merken, dass man mit „Automatik“ nicht weit kommt. Zusätzlich stellt die Automatik nicht immer auf diese Stelle scharf, die man gerne hätte. Mit manueller Einstellung ist man viel unabhängiger und auch sicherer.

Ich kann mich erinnern, als ich bei einem Makrofotografie-Kurs eine Vogelspinne fotografieren sollte und die Kamera auf manuell umgestellt habe, da habe ich richtigen Schock gekriegt, als ich gesehen  habe, wie nah ich an der Spinne dran war (dabei habe ich ja ziemlich große Angst vor so großen Spinnen, die sich schnell bewegen). Manuell heißt nämlich viel näher ran zu gehen, als es mit der automatischen Option der Fall ist.

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Das Freistellen des Motivs: Wie stelle ich das Motiv am besten frei und bilde es trotzdem scharf ab? Diese Frage stellen sich viele Fotografen. Natürlich ist weiches Hintegrund das A und O der Makrofotografie, auf dem Bild sollen keine störenden Hintergrundelemente (siehe unten das Bild mit dem Weizenzweig), nur ein Hauptmotiv zu sehen sein. Der eine oder andere kann vielleicht sagen, das Bild wirkt für ihn zu minimalistisch, ich sage aber, das ist die Kunst der Makrofotografie, den Betrachter auf ein Motiv zu lenken und die ganze Bildaussage in einem Motiv zu vereinen. Ich kann mich noch an die Anfänge meines fotografischen Abenteuers erinnern. Damals habe ich es nicht verstanden, warum ich den Hintergrund weich machen lassen soll. Damals wirkte ein unruhiger Hintergrund gar nicht unruhig auf mich. Mittlerweile sehe ich es zum Glück anders :-).

Es ist nicht wichtig, das ganze Bild bzw. den Hintergrund scharf abzubilden. Sicher gibt es die eine oder andere Ausnahme, aber in der Regel sollte man störende Vorder- und Hintergrundobjekte in der Makrofotografie vermeiden. Auch durchgängige Schärfe macht das Bild zu keinem guten Bild. Ich spiele gerne mit der Schärfe und Unschärfe, um das Bild künsterisch zu gestalten. Außerdem sehen wir mit unseren Augen auch nicht immer alles scharf, der Hintergrund erscheint uns auch meistens unscharf, deswegen soll es nicht anders auf den Makrofotos sein, findet ihr nicht?

Was heißt aber genau „Freistellen“? Sicher kennt ihr die Funktion im Photoshop. Ich arbeite sehr gerne mit Photoshop, aber man soll sich das Leben einfach machen und so wenig Arbeit wie möglich in die Bearbeitung eigener Fotos investieren. Deswegen ist die richtige Vorbereitung, die richtige Wahl der Kameraeinstellungen sehr wichtig. Man sollte nicht einfach ohne Überlegung losschießen, sondern sich genau Gedanken machen, was ich mit meinem Bild erreichen/aussagen möchte. Ich stelle immer das Motiv beim Fotografieren frei, weil ich mit offener Blende arbeite (mein Makrobjektiv erlaubt mir bis zur Blende f/2,8 runter zu gehen). Mein fokussierter Motiv bleibt dabei scharf, der Rest geht in Unschärfe. Wenn mir das nicht zu 100% gelingt, entferne ich die störenden Elemente im Photoshop durch „weichzeichnen“.

Unten findet ihr ein paar Beispiele und Kommentare zu meinen Bildern:

Dieses Bild habe ich letzte Woche im Wald geschossen. Das Motiv sah genau so aus, wie auf dem Bild, ich habe nur die Farben etwas angepasst. Das Bild wirkt zwar gerade nicht sehr natürlich, aber das war meine Absicht. Euch muss klar werden, dass nicht jedes Bild, das euch gefällt, auch dem Betrachter gefallen wird. Die Geschmäcker sind einfach zu unterschiedlich, es ist schwierig, ein Bild zu erzeugen, das jedem gefällt. Damit habe ich mich bereits abgefunden :-).

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Dieses Motiv finde ich beispielsweise nicht schlecht, aber der Hintergrund ist viel zu unruhig, sogar störend. Das Bild habe ich mit dem Objektiv 50 mm, f/1,8 gemacht. Natürlich hängt es von der Absicht des Fotografen ab, was er dem Betrachter durch das Bild mitteilen möchte, aber wenn man sich dafür entscheidet, das Motiv freizustellen, dann sollte man es konsequent tun.Weizen_DSC1367

So stelle ich mir persönlich ein freigestelltes Motiv vor, es wurde zwar etwas künstlerisch nachbearbeitet, aber es war mir einfach danach :-):

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Richtige Perspektive: Was heißt das eigentlich genau? Wo stellt ihr euch hin, wenn ihr eine Makroaufnahme macht? Steht ihr über dem Motiv oder seitlich zu ihm? Habt ihr schon mal versucht, mit dem Motiv auf Augenhöhe zu gehen? Ich weiß, man ist danach immer ziemlich schmutzig, aber es lohnt sich wirklich! Das Ergebnis sieht dann meistens viel viel besser aus, als wenn ihr es von der langweiligen Position, also von oben, fotografiert. Traut euch eure Hose etwas schmutzig zu machen! Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich auch bereit bin, mich im Wald oder auf einem Feldweg hinzulegen, um das gewünschte Ergebnis zu bekommen :-).

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Wichtig ist dabei auch noch, dass man viel Zeit investiert, um ein gutes Ergebnis zu bekommen. Geduld ist sehr wichtig für gute Aufnahmen! Man muss oft gut überlegen, welches Motiv man wie darstellen möchte und dann mehrere Schüsse machen, bis man das gewünschte Ergebnis hat. Durch die Fotografie kann man sehr gut lernen, geduldig zu werden und das ist in der heutigen Welt sehr viel wert!

Mit offenen Augen durch die Welt gehen: Das Thema habe ich bereits im ersten Teil erwähnt. Man muss genau hinschauen bzw. es lernen, richtig hinzuschauen, um die kleinsten Motive zu entdecken. Ich bin oft im Wald und knie mich einfach hin, um die Natur zu beobachten. Oft läuft dann an mir ein Insekt, eine Spinne oder eine Ameise vorbei, die ich natürlich nie vom oben sehen würde. Ich denke, das ist eine gute Methode, sich auf die Suche nach den Motivev zu begeben. Es sei denn, man sieht sie bereits von oben, so wie die Schmetterlinge oder Blumen.

Fokus Stacking: Es ist ja klar, dass bei immer größeren Abbildungsmaßstäben der Schärfebereich abnimmt. Fokus Stacking dient dazu, das ganze Motiv, wenn gewünscht, scharf abzubilden. Was bedeutet das genau? Ganz einfach, man sucht sich ein Motiv aus, fokussiert zuerst z.B. auf den Mittelpunkt, bei einer Blume wäre das ihre Mitte, wechselt dann den Fokus auf die einzelnen Blätter und gewinnt somit mehrere Bilder mit gleichem Motiv, jedoch anderem Fokus und somit anderen Schärfeebenen. Im Photoshop kann man dann alle diese Fotos zu einem machen und hat dadurch ein durchgehend scharfes Bild.

Das hört sich alles sehr einfach an, ich muss aber ehrlich zugeben, dass ich selten auf diese Art und Weise meine Fotos entwickeln lasse. Irgendwie finde ich es im Moment viel reizvoller, wenn mein Foto nicht durchgehend scharf ist. Es sieht für mich mehr künstlerisch aus, es kann aber sein, dass sich meine Meinung schnell wieder ändert :-). Wer von euch nutzt eigentlich diese Funktion bzw. kennt sie?

Aktiv sein: Das wäre der letzte Punkt, auf den ich hier kurz eingehen möchte. In der Fotografie sieht es nicht anders aus als in anderen Disziplinen. Man muss sich immer über Neuheiten, technische Eigenschaften bestimmter Geräte informieren, um up to date zu sein. Ich persönlich abonniere mehrere Fotomagazine wie Nphoto (für Nikonfotografen geeignet) sowie das Photoshop Magazin, bin aber auch auf Fb & Co. mit vielen Fotografen befreundet, bin auch in Fotocommunities unterwegs und nehme an Fotoveranstaltungen teil, wenn mir das die Zeit erlaubt (durch meine Arbeit wird es leider immer schwieriger). Seid aktiv, kreativ und übt so viel wie es geht! Schließlich ist das das Wichtigste!

Ich wünsche euch noch einen wundeschönen Sonntag und den Ostermontag! Bis nächste Woche! Eure bilere

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27 Gedanken zu “Makrofotografie – Teil 2

  1. Pingback: Die Wahrzeichen einer Stadt fotografieren – Tipps | bilere's Blog

  2. Einen Ringblitz habe ich vor einigen Wochen zum ersten Mal im Gebrauch gesehen, und mir hat es sehr gefallen, wie man damit arbeiten kann. So ein Teil steht bereits auf meiner Wunschliste. 😉
    Ich finde es ganz wunderbar, dass du bei deinen Makro-Aufnahmen den natürlichen Hintergrund beibehältst. Das gefällt mir ungemein besser als das Verfremden von Naturmotiven wie Blumen, Vögeln oder Insekten mit sogenannten Texturen.
    Liebe Grüß!

    Gefällt 1 Person

  3. Zunächst darf ich dir gute Besserung wünschen, junge Dame. Eine Sehnenscheidenentzündung braucht niemand wirklich. Ja, heute habe ich mal versucht, dein Thema etwas umzusetzen. Bei mir geht das OHNE Makro. Ich brauche nur „Blume“ einzustellen und schon kann es los gehen.Meine Bilder sind prickelnd, aber ich bin zufrieden. Ja, mit offenen Augen durch die Welt gehen, ist unerlässlich für gute Fotos. Vielen Dank für deine Hinweise, die ich immer wieder gerne aufnehme.
    Für dich ein schönes Osterfest.

    Salut
    Helmut

    Gefällt 1 Person

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