Die Stadtfotografie – ein paar Regeln


Schloss Edinburgh_DSC6333

Die Stadtfotografie gehört zu dieser Art der Fotografie, die ich schon seit meiner Kindheit gerne ausübe. Bereits als Kind hatte ich eine kleine Kinderkamera und habe verschiedene Motive gesucht und die auf dem Foto festgehalten, sei es eine Katze in der Stadt, ein weinendes Kind oder einfach ein Gebäude. Natürlich kannte ich damals all die Regeln nicht, die ich heute kenne, aber das Wichtigste war und ist immer noch die Tatsache, dass mir das sehr viel Spaß gemacht hat. Worauf achtet ihr, wenn ihr in die Stadt loszieht, um sich nach schönen Motive zu begehen oder sucht ihr keine Motive und fotografiert das, was euch bei einem Spaziergang sofort ins Auge fällt? Ich bin seit heute in Danzig und freue mich sehr, dass ich neben meiner Arbeit auch kurz Zeit gefunden habe, um durch die Stadt zu laufen und ein paar Fotos zu machen. Natürlich habe ich meine ganze Ausrüstung nicht mitnehmen können, schließlich bin ich beruflich hier, aber meine alte Kamera D5100 und mein Weitwinkelobjektiv 12-24mm, 1:4G habe ich dabei. Diese Kamera ist im Vergleich zu meiner Vollformatkamera D600 viel leichter, auch das Objektiv ist nicht schwer, wenn man es mit meinem Makroobjektiv 105mm vergleicht (wenn man die beiden Objektive überhaupt vergleichen darf). Die Danzig-Fotos kann ich zwar erst daheim hochladen, aber der Aufenthalt hier hat mich auf die Idee gebracht, das Thema anzusprechen. Ich stelle mir gleich die Frage: Worauf achte ich immer, wenn ich nach Motiven für außergewöhnliche Stadtaufnahmen suche? Was muss ich als erstes beachten? Ich denke, in jedem Fall sollte man sich die einfachen Grundregeln ans Herz nehmen:

1. Profiausrüstung ist nicht alles!
Bevor ich mir eine Profikamera gekauft habe, habe ich gedacht, ich kann deswegen keine guten Fotos schießen, weil ich keine professionelle Ausrüstung habe. Das war aber ein Fehler, denn nicht die Ausrüstung – weder die Kamera, noch die Objektive – machen ein gutes Bild, sondern DU als Fotograf. Natürlich ist es ein Unterschied, ob man ein Foto mit einem Iphone aufnimmt oder mit einer DSLR, schließlich kann man mit dem Iphone nicht so viele Kameraeinstellungen nutzen, die das Bild aufpeppen und ein Iphone kann nicht so qualitativ hochauflösende Fotos schießen (obwohl ich mal gehört habe, dass es einen berühmten Fotografen gibt, der mit Iphone Fotos macht und sie dann professionell entwickelt lässt, also alles ist möglich!) :-).
Besonders auf der Straße ist die Ausrüstung ziemlich egal. Nehmt euch bitte zu Herzen und gebt nicht tausende von Euros aus, um gute Ausrüstung zu haben, ohne zu wissen, wie man gute Fotos schießt. Lerne erstmals deine eigene Kamera kennen und versuche so gute Fotos wie möglich mit deiner Kamera zu schießen. Schließlich kannst du auch mit einer Coolpix Kamera gute Motive schießen und dabei die wichtigsten Regeln der Fotografie beachten (Bildausschnitt, Tiefenschärfe, Belichtung usw.). Mit mehr Geld machst du auf jeden Fall keine besseren Fotos!

2. Zeit ist Geld! Mehr Geld spielt hier vielleicht keine große Rolle, aber die Zeit schon. Mit mehr Zeit kann man natürlich mehr Fotos machen und dadurch viel üben. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort „Übung macht den Meister“. Übung ist auch nur dann möglich, wenn man Zeit hat. Auch wenn du die Zeit nicht hast, versuche so viel Freizeit wie möglich in die Suche nach Fotomotiven zu investieren. Frische Luft, Bewegung kann nur deiner Gesundheit gut tun und wenn du dabei noch die Kamera zur Hand hast und bei Gelegenheit ein oder zwei schöne Motive findest, dann ist der Tag gerettet! Das ist zumindest meine Einstellung :-).

3. Lernen, Bilder richtig anzuschauen!
Hast du gar keine Lust rauszugehen, hast du genug Gelegenheiten, daheim nach Motiven zu suchen und sie zu fotografieren. Außerdem kannst du die Grundlagen der Fotografie lernen, Fotozeitschriften durchstöbert bzw. sich Fotos von anderen Fotografen anschauen. Es gibt heutzutage so viele Fotocommunities, Fotoseiten, auf denen du wunderschöne Motive findest und daraus lernen kannst. Ich bin kein Freund von Nachahmen, jeder soll seinen eigenen Stil entwickeln, trotzdem hilft es sehr, wenn man sich einige Fotos anschaut und überlegt, was hat der Fotograf mit dem Bild erreichen wollen, welche Technik er verwendet hat und vor allem, was mir bei dem Bild besonders gefällt. Je mehr man sich mit solchen Bildern beschäftigt, desto besseren Blick bekommt man für richtige Fotos.
4. Aufmerksamkeit ist alles!
Für die Straßenfotografie gilt die wichtige Regel, dass man immer aufmerksam und bereit sein soll, ein Foto zu schießen. Ähnlich ist es in der Makrofotografie. Menschen bewegen sich schnell, machen oft außergewöhnliche Sachen, genauso wie die Tiere oder Insekten. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Kamera immer in der Nähe zu haben, um sie in einem guten Moment schnell rauszuholen, um den besonderen Moment nicht zu verpassen.
Prenzlauer Berg-Berlin
5. Nah genug ranzugehen!
Wichtige Regel, die ich lange Zeit während meiner Arbeit als Journalistin nicht verfolgt habe, ist, nah genug an das Motiv ranzugehen. Wenn du ein schönes Motiv siehst, dir aber sicher bist, dass du viel zu weit weg entfernt von ihm bist und das Foto aus diesem Grund nicht gut genug sein wird, traue dich näher ranzugehen. Erstens lernst du dadurch, mutiger zu sein und zweitens bekommst du ein schönes Motiv, das du daheim entwickeln lassen kannst. Besonders bei Menschen, die zufällig auf der Straße fotografiert werden, muss man ab und zu mal versuchen, näher ranzukommen und die Person eventuell zu fragen, ob sie nichts dagegen hat, wenn du sie fotografierst. Ich spreche hier natürlich nur von Hobbyfotos, die nicht verkauft werden. Anderenfalls muss man natürlich die Person fragen, ob Sie damit einverstanden ist, wenn man sie fotografiert und ein Modell realease von ihr bekommen.
Nürnberg_DSC7823
6. Kein perfektes Bild!
Das Wichtigste in der Fotografie ist, viel zu üben, viel Zeit in die Übung zu investieren und sich nicht das Ziel zu setzen, ein perfektes Bild zu machen. Es gibt nämlich kein perfektes Bild, man kann nur danach streben, ein perfektes Bild zu machen. Vergesst das bitte nicht!
Einen schönen Sonntag!

Eure bilere

PS: Nachträglich füge ich noch zwei neue Bilder aus Danzig ein, die ich gestern gemacht habe:

Gdansk_DSC8012

Gdansk_DSC7970

21 Gedanken zu “Die Stadtfotografie – ein paar Regeln

  1. So nun ist sie da die neue Kamera von Pentax Die KS-2 wurde von mir gewählt. Als Tele mit Macro habe ich das von Tamron ausgesucht, welches sich auch in deiner Ausrüstung befindet. Nein, eine große Aufrüstung mit immer teueren Objektiven macht automatisch keine besseren Fotos. Es kommt einzig und allein auf die Person hinter der Kamera an.Nur die zeichnet für die Bilder verantwortlich. vielen Dank für deine wirklich tollen bilder, die mich immer wieder aufs neue begeistern. Nein, das ist keine Lobhudelei – ich meine es ehrlich. Außerdem darf ich sagen: Du bist Schuld, dass ich immer wieder neue Dinge ausprobiere – hätte ich deinen Blog nicht entdeckt, dann wäre Vieles an mir vorüber gegangen – ich hätte mich nicht mit Macro-Fotografie beschäftigt und ich hätte auch sicher nicht von deinen Erfahrungen profitiert.
    Und nochwas: ich sehe Fotografie auch als Kunst. Das kommt auch in deinen Bildern sehr zum Ausdruck. Lass mich dir deshalb die Aussage meines Vorbildes Ernst Haas auch dir ins Stammbuch schreiben:
    „Ich bin Maler, der zu ungeduldig ist zum Malen und deshalb Fotograf wurde“.

    Ernst Haas
    Fotograf aus Österreich

    Ich wünschr dir eine gute Zeit.

    Salut
    Helmut

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieber Helmut, danke für die Blumen. Am meisten freut mich, dass ich dich dazu bewegen konnte, wieder mehr zu fotografieren. Das macht doch so viel Spaß! Ich bin sehr gespannt, wie es dir mit deiner Pentax gehen wird, die Zeit für die Makrofotografie ist jetzt auf jeden Fall reif. Ich muss sagen, ich finde es auch sehr spannend, was du immer jeden Tag erlebst und in deinem Blog postest. Du hast so viel erlebt und man kann von dir so viel lernen! Der Zitat von Ernst Haas klingt sehr passend! Vielen vielen Dank! Ich habe mich schon gefragt, wo du bist :-). lg Kati

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  2. Nebel reinmalen??? Ich finde, das geht gar nicht! Von allen Tipps gefällt mir Nr 5 am besten! Das ist leider etwas, was ich immer wieder unterwegs erlebe, wenn ich mal ein Foto von mir gemacht haben will. Ich bin auf den Fotos meisten ziemlich winzig, selbst wenn ich Distanz usw. vorgebe.
    Die besten Fotos macht man allerdings, wenn man sich keine Gedanken um irgendwelche Regeln macht.
    LG
    Ulrike

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Ulrike, danke für deine Meinung. Fotografieren soll natürlich Spaß machen und das würde sicher nicht gut funktionieren, wenn man sich immer wieder nur Gedanken über die Regeln machen würde. Die Regeln hat man aber irgendwann im Blut, so wie das Autofahren, irgendwann weiß man, wo die Kupplung & Co. sind, ohne darüber nachzudenken. Das mit dem Nebel fand ich persönlich interessant, aber natürlich ist mir klar, dass es nicht jedem gefällt. Schönen Abend! bilere

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  3. Sehr gut geschrieben und genau das ausgesprochen, was in der Fotografie am Wichtigsten ist, gute Fotos entstehen im Herzen und das technische Equipment, der jeweiligen Situation angepasst, ist nur Mittel zum Zweck. Ob man den kreativen Akt des Fotografierens durch den kreativen Akt der Bildveränderung ergänzt, ist eine jeweilige, persönlich kreative Entscheidung des Fotografierenden und der gewünschten Bildaussage. Regeln in der Fotografie sind dazu da, dass man sie bricht.

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