Die Wahrzeichen einer Stadt fotografieren – Tipps


zamek w Warszawie_DSC7960Das Thema „Stadtfotografie“ lässt mich nicht mehr los. Ich komme gerade von einem Kurzurlaub in Warschau (Warszawa, Polen) zurück und hatte wieder mal die Gelegenheit, tolle Motive, schöne Landschaftsbilder und sogar Menschen zu fotografieren.

Wenn man in einer Stadt unterwegs ist, muss es nicht unbedingt immer heißen, dass man nur Gebäude bzw. Straßenfotos macht. Die Stadt bietet uns eine Menge an Motiven, die nur darauf warten, von unserem Auge entdeckt zu werden.
Entscheidet man sich allerdings dafür, „typische“ Stadtfotografie zu betreiben, muss man wie immer bestimmte Regeln beachten, um das Motiv, dass man bereits Millionen Mal auf den Fotos gesehen hat, nochmal als ein besonderes Foto darzustellen. Wie bekomme ich aber den eigenen Touch, das eigene Wow- Effekt auf den Fotos? Hier ein paar Worte dazu.

Wetter – ein wichtiges Kriterium

Bei meinem Kurztrip nach Warschau hat das Wetter richtig mitgespielt. Das ist schon mal eine wichtigste Voraussetzung für abwechslungsreiche Fotos. An einem Tag gab es die Sonne, an einem anderen Tag war der Himmel zu meinem persönlichen Diffusor, weil er total bedeckt war.  Wie bereits hier erwähnt, macht der bedeckte Himmel aus einem harten Licht ein weiches, was wiederum bedeutet, wir bekommen keine Schatten auf dem Bild. Warum ist es eigentlich so? Das Licht kommt einfach nicht nur aus einer Richtung, wie es bei der strahlenden Sonne der Fall ist, sondern diffus aus allen Richtungen. Das führt wiederum dazu, dass die Kanten des Schattens weich und unscharf verlaufen.

Wie auch immer, jedes Mal, wenn ich in einer Stadt Urlaub mache, freue ich mich besonders darauf, mit der Kamera durch die Straßen zu schlendern und die Wahrzeichen der Stadt zu fotografieren, egal bei welchem Wetter. So war es auch in Warschau und vorletztes Mal in Danzig.

Unterschied Stadt versus Land?

Bevor man loslegt, ist es natürlich sehr wichtig, sich dessen bewusst zu werden, dass die Fotografie von Gebäuden, von den Straßen doch etwas anderes ist, als Bilder von Landschaften oder Personen. Es kommt oft vor, dass wir auf einen begrenzten Raum stoßen, dass uns das Licht Streiche spielt, weil hohe Gebäude mit schräg einfallender Sonne erheblichen Kontrast verursachen, es sei denn der Himmel ist bedeckt. Als nächstes Hindernis sehen wir dann Menschenmengen, die dauernd durch das Bild laufen bzw. vorbeifahrende Autos, die unsere Bildkomposition zerstören.

Damit müssen wir uns abfinden, in einer großen Stadt ist es eher unwahrscheinlich, dass sie leer bleibt, es sei denn, man entscheidet sich dafür, gleich in der Früh loszulegen, wenn die Hühner noch schlafen, dazu ist aber nicht jeder bereit, besonders wenn er im Urlaub ist und endlich mal ausschlafen kann :-). In dem Fall sollte man einfach im Kopf behalten, dass man auf den Fotos das Stadtleben darstellen möchte und das wäre ohne Menschen, ohne Autos einfach undenkbar bzw. unrealistisch. Ich habe mal die Aussage gehört, dass man sich bei der Stadtfotografie mehr auf das „Dokumentarische“ als das „Künstlerische“ konzentrieren soll, ich bin zwar von dieser Aussage nicht 100% überzeugt, aber wenn man mit der Einstellungen loslegt, hat man gar kein Problem mit vorbeigehenden Menschen oder vorbeifahrenden Autos.

Viele von euch haben sicher oft im Urlaub zu einer Kamera gegriffen, um ein Schloss, ein Hochhaus oder einfach nur eine Statue zu fotografieren. Viele von euch haben bereits Erfahrung mit der Stadtfotografie gesammelt und wissen, welche einfache Tipps man sonst noch beachten soll, wer es nicht tut, kann sich gerne einige dieser Grundregeln ans Herz nehmen.

Aus welchen Blickwinkel soll ich überhaupt fotografieren?

Die Antwort ist ganz einfach: Am besten aus verschiedenen, man soll so viel wie möglich ausprobieren, um eine gute Auswahl an Motiven zu haben. Es gibt verschiedene Blickwnkel, die wir dafür nutzen können. Viele fotografieren von oben aus, aus der sogenannten Vogelperspektive, was dazu führt, dass man die gesamte Szene zeigt und sich bzw. dem Betrachter einen Übeblick über das Motiv verschafft.

Man kann auch von unten aus fotografieren, die „Normalperspektive“ kann manchmal langweilig wirken und von unten schaut dein Motiv viel majestätischer, viel größer aus. Manchmal reicht es, in die Knie zu gehen, um ein Foto zu schießen, damit sich das Foto von den anderen Fotos unterscheidet.

Bei diesem Foto habe ich die Kamera einfach auf die Mauer hingelegt und abgeknipst. Es schien mir einfach interessanter zu sein, als wenn ich es von der Normalperspektive getan hätte. Das obere Bild sieht ein wenig wie ein Miniatureffekt aus, das man u.a. im Photoshop durch „Tilt & shift“ Einstellung erreicht.

 

Weitwinkel ist eine gute Wahl!

Mehrmals habe ich es erwähnt, dass die Kamera keine gravierende Rolle für die Fotografie spielt, natürlich kann man mit einer Vollformatkamera nicht besser fotografieren, wenn man kein Auge für gute Fotos hat bzw. die Regeln nicht kennt. Anders sieht es mit einem passenden Objektiv aus. Besonders in einer Stadt, die uns nur einen eingeschränkten Platz bietet, ist ein Weitwinkel-Objektiv nützlich, um z.B. ein Gebäude oder eine Altstadt wie in meinem Fall komplett fotografieren zu können. Beispielsweise mit einer Brennweite von 24 mm (Kleinbildformat) gibt es kaum eine Situation in der Stadt, die man damit nicht fotografieren könnte. Natürlich sollte man im Kopf behalten, dass Weitwinkel-Objektive stürzende Linien bzw. Verzerrungen verursachen und den Vordergrund sehr stark betonen. Davon habe ich bereits hier berichtet.

Tipp: Die stürzenden LInien kann man zum Teil vermeiden, indem man das Weitwinkelobjektiv mit größtmöglicher Brennweite einsetzt und so weit wie möglich vom Gebäude weggeht. Im nächsten Schritt zoomt man heran, um die stürzenden Linien zu vermeiden. So einfach das klingt, ist aber natürlich nicht zu ersetzen durch das Tilt-Shift Objektiv, das sich kaum wer leisten kann :-).

zamek krolewski-Warszawa_DSC7923

Gute Ausschnitte aussuchen!

Wenn wir schon mal in einer Stadt sind, möchten wir sie so zeigen, wie sie in Wirklichkeit aussieht, mit allen Details. Natürlich hängt es von deinem Vorhaben ab, wofür du deine Fotos einsetzen möchtest, sei es eine Information über die jeweilige Stadt, ein Bericht, eine Detailbeschreibung einer Sehenswürdigkeiten. Im letzten Fall solltest du dich auf Detailaufnahmen konzentrieren. Jeder, der sich auf deiner Seite über ein Haus oder einen Platz informieren möchte, wird dir für Detailaufnahmen sehr dankbar sein.

Generell finde ich es wichtig, ein Gebäude mehrmals zu fotografieren und sich nicht nur auf das ganze Gebäude bzw. den Platz zu konzentrieren, sondern auch einen bestimmten Ausschnitt zu fotografieren, wie z.B . ein Aushängeschild oder Graffiti oder nur die rechte/linke Seite des Platzes. Durch den Ausschnitt erreicht dein Bild eine ganz andere Aussage, ein anderes Motiv rückt in den Vordergrund. Es lohnt sich, solche Experimente auszuprobieren und sich Gedanken darüber zu machen, was diesen Ausschnitt von dem anderen unterscheidet.

Denke bitte auch daran, auf einen bestimmten Punkt scharf zu stellen, das du im Vordergrund stellen möchtest.

zamek krolewski-Warszawa_DSC7919

Probleme mit der Belichtung?

Wenn du bei einem sonnigen Wetter Fotos in einer Straße machst, klappt es selten, dass sich Sonne hinter dir befindet. Meistens scheint die Sonne seitlich und dann auch nicht mal auf das ganze Gebäude. In solchen Situationen kommt es vor, dass scharfe Trennlinien zwischen oberem Teil des Hauses, das von der Sonne beleuchtet wird, und unterem Teil im Schatten, zu erkennen sind. Natürlich kann man solche Situationen meiden und die Position bzw. die Tageszeit ändern oder auf „schlechteres “ Wetter warten. In dem Fall bleibt uns nichts anderes übrig, als sich auf die Belichtung von hellen Stellen zu konzentrieren, damit sie korrekt belichtet und nicht überbelichtet werden. Der dunklere Teil bleibt dann im Schatten, es ist aber besser so, als wenn man versucht, die dunklen Stellen aufzuhellen, wodurch die hellen Stellen „ausgebrannt“ werden.

Tipp: Dass die Sonne am Mittag zu vermeiden ist, habe ich bereits mehrere Male erwähnt, auch dass die Morgen- bzw. Abendstunden für die Fotografie besser geeignet sind, ist allen bekannt. Man sollte sich aber auch über den Sonnenverlauf Gedanken machen bzw. sich darüber informieren, besonders wenn man sich in einer unbekannten Stadt befindet.

domek w Gdansku_DSC8021

Darf ich die Motive fotografieren?

Kennt ihr dieses Problem? Ihr seid in einer Stadt und macht euch Gedanken über die Bildaufteilung bzw. über die Kameraeinstellungen und plötzlich kommt jemand vorbei und fragt, was ihr hier tut. Es kommt vor, dass dir ein unfreundlicher Hausbewohner einfach verbietet, ein Haus oder eine Straße zu fotografieren. In solchen Situationen sollte man den rechtlichen Hintergrund ein wenig kennen. Auch in dem Fall gelten generelle Regeln:

Erstens darfst du in einer Stadt draußen praktisch fast alles fotografieren. Schwieriger wird es allerdings, wenn du es veröffentlichen möchtest! In der Regel ist das Fotografieren bzw. das Veröffentlichen von Gebäuden und Straßen von öffentlichem und nicht privatem Raum erlaubt. Die Regel heißt Panoramafreiheit, die besagt, dass Straßenbilder von Motiven, die von der Straße aus zu sehen sind, fotografiert werden dürfen, ohne den Urheber um Erlaubnis zu bieten. Ich möchte mich hier nicht zu sehr mit dem Thema beschäftigen, ihr könnt gerne auf den Link klicken, der euch zu dem wikipedia-Artikel weiterleitet (sehr interessant und vor allem wichtig!).

Anders sieht es aus, wenn du im Gebäude drinnen, also in einem Museum, in einer Kirche oder in einem Schloss fotografieren möchtest. Dafür brauchst du eine Genehmigung. Ähnlich sieht es mit Gemälden oder Kunstwerken, die jemandem gehören, der noch am Leben ist, aus. Bevor man sich die Zustimmung von dem Inhaber holt, sollte man sicherheitshalber Finger davon lassen.
Bei dauerhaften öffentlichen Kunstwerken sieht es wiederum nicht so problematisch aus, die dürfen fotografiert werden, jedoch unter der Voraussetzung, dass keine Personen darauf sind. Eine einzelne Person auf einem Foto kann das Recht am eigenen Bild geltend machen, deswegen ist ein Model Realase unabdingbar.

Wenn sich auf der Straße mehr Personen befinden, dürft ihr in der Regel ohne Zustimmung fotografieren und die Fotos sogar veröffentlichen, aber nur unter der Voraussetzung, dass die Personen „nur als Beiwerke“ einer Ortschaft bzw. einer Landschaft gesehen werden.

Das Thema ist wie jedes rechtliche Thema ziemlich heikel, deswegen rate ich allen, sich am besten 100 Mal abzusichern, bevor was veröffentlicht wird. Schönen Abend noch! bilere

25 Gedanken zu “Die Wahrzeichen einer Stadt fotografieren – Tipps

  1. Pingback: Stadtfotografie mal anders – Potsdam | bilere's Blog

  2. Aufschlussreicher Artikel und Danke für den Link mit dem Sonnenverlauf! Die App kann ich super gut gebrauchen. Ich verstehe die zahlreichen Restriktionen in der Streetfotografie durchaus und die Wahrung des Persönlichkeitsrecht erst recht. Ich möchte auch nicht ungefragt irgendwo auf einem Blog als Mittelpunkt des Bildes auftauchen. Nur es ist irgendwie schade, die Bilder deshalb oft nicht ins Netz stellen zu können. Denn ich sehe es genauso: Was ist Streetfotografie ohne Menschen? Leider habe ich aber eine extreme Hemmschwelle auf Leute zuzugehen und sie zu fragen, ob ich sie fotografieren darf, geschweige ein Model Release einzuholen. Da muss dann eben meine Begleitung herhalten 🙂

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    1. Danke schön fotohabitate, mir ging es ähnlich, ich habe mich nicht getraut, die Menschen anzusprechen. Man muss aber den ersten Schritt wagen und dann geht es immer einfacher. Was meinst du, wie stolz du auf dich sein wirst, wenn du dich überwunden hast? :-). LG bilere

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  3. Ich bin am üben mit der Pentax. Kürzlich traf ich im Media-Markt einen Verkäufer der richtig Ahnung hatte von Kameras und deren Zubehör. Für die Pentax suchte ich eine passende Speicherkarte. Er war erstaunt weshalb ich keine Nikon oder Canon gelauft habe. Nun ja, sagte ich, weil ich weis,dass die schon immer hervorragende Kameras gebaut haben. Neulich sei ein Kunde gekommen, so etwa in meinem Alter, der habe eine Pentax gesehen mit Kit Objektiven, die er sofort mitgenommen hat.Ein Weitwinkel ist ein wichtiges Objektiv das nicht fehlen sollte. Deine Bilder aus Warschau begeistern mich.
    Ich würde mich mal brennend interessieren wie deine Bilder von unserem kleinen Städtchen aussehen und meine, der schon alle Winkel kennt. Da hast du sciher eine andere Sichtweise der Dinge.
    Das Vorhaben mit dem Kalender ist gestorben. Es sind keine Fotos da, die Jemanden vom Hocker reißen.Freitag bekomme ich Gäste aus Frankreich und werde mich bis dahin rar machen. Aber bei dir wollte ich einfach noch kommentieren.

    Eine gute Zeit für dich.

    Salut
    Helmut

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    1. Lieber Helmut, das freut mich natürlich sehr, dass du Zeit gefunden hast, um mir zu schreiben. Ich habe gedacht, du warst im Urlaub? Ich wünsche dir viel Spaß mit den Franzosen. Dein kleines Städtchen zu fotografieren, wäre sicher interessant. Manchmal denkt man, dass man alle Ecken in einem Ort kennt, dann entdeckt man aber doch tausende Dinge, wenn man mit der Kamera unterwegs ist. Bei dir wird es sicher auch so sein :-). Salut und bis bald! Kati

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  4. Well done. When photographing strangers I always ask their permission. Sometimes you have to take the shot first, then ask. I tell them if I mean to post the picture on my blog. Once, having asked his Dad first, I took a lovely shot of a sunlit little boy looking down from a railway bridge. When I told the father I would like to post it, he wasn’t happy. I deleted it in front of him. That was a shame

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    1. It’s true, that was a shame. I had also once a picture of a boy and I wanted to sell it but the father didn’t’t give me his permission. Some people are afraid of using pictures in internet. Thanks for your meaning derrickjknight. Have a nice evening. bilere

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  5. Ja, so ein Tilt-Shift-Objektiv – das wär‘ schon was… Neulich war ein Profifotograf bei uns im Schloss, der hatte so ein feines Teil dabei… 😉 Ich finde Stadtfotografie am schwierigsten, dafür braucht man wirklich ein sehr gutes Händchen und oft auch den richtigen Instinkt.
    Liebe Grüße!

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