Makro-Tipps & Beispiele


gelbe Blume_DSC0029

Ideen und Tipps für bessere Fotos zu liefern, ist meiner Meinung nach das Wichtigste in einem Fotoblog, schließlich möchte man eigene Erfahrung den Lesern mitteilen und sie zum Nachdenken bzw. zum Nachahmen bringen. Das macht mir neben der Fotografie selbst sehr viel Spaß! Aus diesem Grund widme ich mich in meinem heutigen Beitrag voll diesem Thema.

 

Wie ihr bereits wisst, ist die Makrofotografie mein Lieblingsbereich in der breiten Palette an fotografischen Möglichkeiten. Über dieses Thema kann ich auch rund um die Uhr erzählen :-). Viele von euch verstehen es sicher sehr gut! Zudem gibt es in der Sommerzeit sehr viele Motive, die sich für die Makrofotografie eignen. Egal, wo man sich hinbewegt, findet man sie. Sei es eine Blume, ein Insekt oder Pflanzen bzw. Tierchen. Das ist das Schöne an der Fotografie, man begegnet den Motiven überall und überall hat man auch die Gelegenheit zu üben.

ausgetrocknete Blume_DSC0037

Und das Üben ist ja sehr sehr wichtig, um immer besser zu sein, um immer neue Bereiche zu entdecken und vor allem das Auge für richtige Einstellungen zu schulen. Schließlich ist es ganz normal, dass man anfangs nicht alle Einstellungen auswendig kennt und dass man den Unterschied zwischen einem Makrobild mit verschwommenen und einem mit unruhigem Hintergrund nicht sieht. Bitte verzweifelt in dem Moment nicht, das ist ganz normal und erfordert viel Geduld und Übung, schließlich kann man auch nicht vom ersten Tag nach der Geburt laufen oder sprechen, alles kommt mit der Zeit. Wichtig sind natürlich viele Regeln, die man befolgen muss. Wichtig sind aber auch bestimmte Kameraeinstellungen, auf die ich hier auch eingehen möchte.

  1. Macht euch bitte mit euer Kamera vertraut. Lernt die einzelnen Funktionen kennen, um zu wissen, wozu man bestimmte Werte verwendet bzw. welche Ergebnisse man mit bestimmten Einstellungen erzielt. So ist es auch mit dem ISO-Wert auf möglichst kleinsten Wert einstellen. Wie bereits oft in meinen Blogbeiträgen erwähnt, tritt beim erhöhten ISO-Wert das Bildrauschen ein. Manchmal wird der Effekt gezielt hervorgerufen.
  2. Weißabgleich, also Farbtemperatur,  soll richtig eingestellt werden, am besten manuell mit einem Stück Graukarton. Am besten gleich am Anfang viel über den Weißabgleich zu lernen, um Farbstiche, wie z.B. den Blaustich, zu vermeiden.
  3. Belichtungsmodus wählen. Ich entscheide mich zwar immer für manuelle Einstellung von Blende und Belichtung, aber ihr könnt gerne die Zeitautomatik (A auf der Kamera, P bedeutet Programmautomatik und S Blendenautomatik) in dem Fall wählen. Das heißt, ihr müsst nur die richtige Blende auswählen und die Kamera wählt die Belichtungszeit automatisch aus. Möglich sei auch eine manuelle Belichtungskorrektur.
  4. Die richtige Perspektive wählen, um das Motiv herumgehen, schauen, wo man das beste Licht, die beste Perspektive erwischt.
  5. Scharfstellen auf das Motiv (automatisch oder manuell), ich bin für die letzte Variante, weil man sich auf die eigenen Augen besser verlassen kann als auch die Kamera. Man sieht immer besser, wie scharf ein Motiv ist.
  6. Eventuell kann man die Spiegelvorauslösung wählen, wenn eure Kamera über diese Funktion verfügt. In dem Fall kann man mit einem Fernauslöser fotografieren.
  7. Schlussendlich sollte man natürlich das Bild auf dem Display checken, also das Histogramm durchgehen.

Das sind die wichtigsten Schritte, die man für die richtige Makrofotografie benötigt. Unten findet ihr noch ein paar praktische Beispiele, die die einzelnen Punkte betreffen.

Wenn ihr die Einstellungen bereits beherrscht habt, stellt ihr euch mit der Zeit sicher die Frage, ob ihr nur eine Blume auf dem Bild oder noch andere – meiner Meinung nach störende –  Motive im Hintergrund fotografieren wollt? Die Frage kommt nicht gleich am Anfang, aber sicher sind eure Augen mit der Zeit so geschult, dass ihr den Unterschied auf den ersten Blick erkennt. Viele von euch sehen sicher den Unterschied zwischen den beiden unteren Fotos? Diejenigen, die ihn nicht sehen, sollen sich einfach etwas Zeit nehmen und sich die Frage stellen: Was fällt euch bei den beiden Bildern auf?

violette Blume_DSC8122

violette Blume_DSC8110

was seht ihr auf dem ersten und was auf dem zweiten Bild? Es geht nicht nur darum, dass auf dem ersten Bild nur auf eine Blüte fokussiert wurde, sondern auch darum, dass man hinter der Blume auf dem zweiten Foto viele verschwommenen Blümchen sieht. Das nenne ich mal einfach „unaufgeräumt“ und schreibe gleich dazu, dass ich immer versuche, solche Bilder zu vermeiden. (Ich weiß nicht, ob das etwas mit meinem Sternzeichen zu tun hat….Jungfrauen sind angeblich sehr sauber und räumen alles auf (ich habe mir einen kleinen Witz erlaubt :-)). Fakt ist, dass man sich beim ersten Bild mehr auf das Hauptmotiv konzentrieren kann und der Bildbetrachter sofort weiß, was der Fotograf mit dem Bild aussagen wollte. Findet ihr nicht?

Deswegen ist es so wichtig, sich über die einzelnen Einstellungen Gedanken zu machen, bevor man mit dem Fotografieren loslegt. Hier ist die richtige Perspektive gefragt. Dabei muss man sich die Frage stellen, wie setze ich meine Blumenmotive am besten ins Bild. Diese Frage scheint so einfach zu sein, das täuscht aber. Ablenkung auf hintere Motive, auch wenn sie verschwommen sind, braucht in der Regel keiner. Denkt deswegen immer an die richtige Perspektive, die passende Bildaufteilung und natürlich an das richtige Licht.

Es ist ganz normal, dass man auf einer Wiese oder im Wald keine einzelne Blume findet. Da gibt es genug Störfaktoren, die man aber geschickt vermeiden kann. Es reicht, sich hinzuknien und die Blume von der Seite zu fotografieren. Wenn wir auf Augenhöhe mit der Blume sind und die richtige Blende – mindestens 5,6 – wählen, dann ist der Hintergrund verschwommen und wir haben ein schönes scharfes Blümchen auf dem Bild. Das klingt alles sehr einfach, aber wenn man daran denkt, dass man beim Fotografieren auch viele andere Faktoren beachten muss, wird es langsam nicht mehr so einfach.

stokrotki im Feld_DSC8133

Als zweites Beispiel das obere Foto, die im Vergleich zu den beiden ersten Bildern etwas besser aussieht. Zumindest durch die Farbunterschiede vom Hauptmotiv und dem Hintergrund wird sofort klar, was der Fotograf uns damit sagen wollte. Trotzdem ist hier viel zu viel los. Alles wirkt wieder sehr unruhig, es wurden keine Details ausgearbeitet, die die Blume interessant und außergewöhnlich machen würden. Es sieht alles sehr monoton aus und das möchte mit Sicherheit kein Fotograf erreichen! Ich muss zugeben, dass ich am Anfang meiner Lernphase den Unterschied nicht erkannt habe, also sollte es bei euch auch der Fall sein, macht euch bitte keine Sorgen! Das kommt mit der Zeit. Übung macht schließlich den Meister und das trifft in der Fotografie voll und ganz zu!

Biene auf Blume_DSC8107

Auf dem Bild habe ich dieselbe Blume fotografiert, aber aus einer anderen Perspektive. Ich habe mich nur auf die Blume konzentriert und auf die Biene. Hier habe ich auch meine Kamera auf manuell gestellt, denn dann kann man die Entfernung zum Hauptmotiv selbst bestimmen und nicht der Kamera die Entscheidung überlassen. Auf einem Makroobjektiv 105mm drehe ich das Objektiv immer auf die Abbildung 1:1, um das Motiv in voller Größe zu zeigen und komme so nah wie möglich an das Motiv heran. Gut wäre, in solchen Momenten immer ein Stativ dabei zu haben, aber ich trage es leider nicht immer mit, es ist mir viel zu umständlich, besonders wenn ich oft ohne Ziel losgehe und es dem Zufall überlasse, ob ich ein Motiv finde oder nicht.

Pusteblume_DSC9974

Die Pusteblumenmotive sind mein Lieblingsthema in diesem Sommer :-). Auf dem oberen Bild habe ich die Schärfe auf die Blüte gelegt. Das führt dazu, dass sich der Betrachter voll und ganz auf die Blüte konzentrieren kann, weil es gar keine Störelemente rund herum gibt. Der Hintergrund ist einfarbig, das Auge schaut direkt auf die Blüte und das ist gut so.

Auf den beiden unteren Bildern möchte ich euch zeigen, wie wichtig es ist, auch die richtige Uhrzeit und das richtige Wetter zum Fotografieren zu wählen. Die beiden Bilder habe ich gestern beim starken Wind gemacht. Ich habe sogar mein Stativ rausgenommen, um zu experimentieren. Wie man aber sieht, ist die Blüte nicht zu 100% scharf. Natürlich werden mit dem Makroobjektiv nicht alle Details scharf, aber auf dem Bild ist zu wenig Schärfe. Bei richtigen Wetterbedingungen wäre die Blüte viel viel schärfer. Ich habe zwar der Schärfe ein wenig im Photoshop nachgeholfen, aber den Wind kann man leider nicht austricksen. Gäbe es den Wind nicht, wären die Motive sehr schön. So sehen sie ziemlich durchschnittlich aus.

Grüne Blume_DSC0009

Bei dem Bild habe ich die Froschperspektive gewählt, um die Aufnahme interessanter und spannender zu machen als sonst. Die richtige Perspektive bringt oft sensationelle Ergebnisse mit sich!

violete Blume_DSC9994

Ich denke, das reicht für heute ;-). Zum Schluss kommt noch mein Makrobild, das ich in Seebachtal im Wald gemacht habe. Das Bild ist vor kurzem im Newsletter von Demurez Cover Arts erschienen, was mich wieder sehr gefreut hat!

Seebachtal_DSC9203

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag! lg eure bilere

16 Gedanken zu “Makro-Tipps & Beispiele

  1. Wie kommt es, dass beim dem vorletzten Bild, das mir übrigens sehr gefällt, einen braunen Hintergrund gibt? Dadurch wirkt für mich das Foto in einer gewissen Weise harmonisch. Deinen Vorschlag mit der Froschperspektive werde ich aufgreifen. Allerdings sollte ich da OHNE Begleitung unterwegs sein. Die Wandergruppe gestern hat immer mal wieder auf mich gewartet. Außerdem fehlt mir die erforderliche Ruhe, wenn mich Menschen begleiten.
    Wie pflegt der Lateiner zu sagen:
    Usus est magister optimus.
    Übung ist der beste Lehrmeister
    So übe ich ständig weiter.
    Einen schönen Abend und eine gute Woche
    Helmut
    der jetzt den neusten Ernst Haas Bildband anschaut und dabei überlegt, wie das Foto wohl entstanden sein mag.

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Helmut, dein Kommentar freut mich wieder sehr. Der Hintergrund ist braun, weil die Blumen rund um das Hauptmotiv braun waren und weil ich die Blende unter 5,6 hatte. Deswegen ist der Hintergrund verwischt und man sieht die Blumen nicht, nur ihre Farben. Das ist das Schöne an der Blende. Man kann mit ihr spielen, um schönen Hintergrund zu bekommen.
      Ich weiß übrigens, dass du viel übst! Deine Bilder schauen vom Tag zu Tag immer besser aus! Schön, dass du auch ein neues Buch vom Haas hast. Ich wünsche dir noch viel Spaß beim Fotografieren und natürlich auch eine schöne Woche! LG Kati

      Gefällt 1 Person

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