Schärfentiefe in der Makrofotografie


Schärfentiefe spielt in der Makrofotografie (und nicht nur) eine sehr wichtige Rolle. Beim Fotografieren haben wir eine Schärfenebene zur Verfügung, die für unser Ergebnisbild entscheidend ist. Stellen wir auf ein bestimmtes Motiv scharf, ist alles, was sich vor oder nach dem Motiv befindet, mehr oder weniger scharf. Der Fotograf selbst hat es also in der Hand und entscheidet, wo die Schärfe liegt, bzw. welche Bereiche auf dem Bild unscharf bleiben sollen.

Blatt_DSC1987

Schärfentiefe hat aber nicht nur große Bedeutung für den Fotografen, sondern auch für den Betrachter des Bildes. Wenn ein Bildbereich scharf ist und alles rund herum unscharf wirkt, erkennt der Betrachter, was der Fotograf mit dem Motiv aussagen möchte, was er mit der Schärfe erreichen wollte.

Was müssen wir aber tun, um die Schärfentiefe auf bestimmte Bildelemente zu richten? Welche Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle? Diese Fragen stellen sich viele Fotografen. Ich denke, es gibt einige Faktoren, die sehr wichtig für die Bestimmung der Schärfentiefe sind und zwar sind das vor allem

  • die Blende
  • die Nähe zum fotografierenden Objekt
  • die Brennweite des Objektivs
  • die Größe des Sensors

Blatt_DSC1989

Hohe versus niedrige Blende

Schöne Ergebnisse mit Unschärfe erhält man bei Objektiven, die Blendenwerte von f/2,8 oder weniger ermöglichen, das heißt u.a. mit dem Makroobjektiv oder mit dem 50mm-Objektiv, das die Blende f/1,4 ermöglicht. Stelle ich die Blende auf f/2,8 und fokussiere auf einen bestimmten Punkt, wird nur der Punkt scharf abgebildet, alles drum herum wird wiederum unscharf. Erhöhe ich die Blende auf f/5,6 wird die Schärfentiefe automatisch erhöht und ein größerer Bereich scharf abgebildet. Über die Schärfentiefe kann ich sehr gut den Hintergrund, der oft vom Hauptmotiv ablenkt, unscharf machen.

Blatt_DSC1988

Habt ihr gewusst, dass die Schärfentiefe berechnet werden kann? Ich frage mich nur, wer tut das schon? Es ist aber auf jeden Fall gut zu wissen, dass man die Schärfentiefe mit Hilfe der Abblendtaste prüfen kann. Die Taste befindet sich auf meiner Nikon-Kamera vorne rechts, neben dem Objektiv. Ich gehe davon aus, dass es bei allen anderen Kameras ähnlich ist.

Nähe zum Objekt & Brennweite

Die Nähe zum Objekt hat auch einen Einfluss auf die Schärfentiefe. Das sieht man auf meinen drei Beispielbildern. Ich habe die Bilder mit einem Objektiv (Makroobjektiv f/2,8 von Nikon) fotografiert, die Entfernung zum Objekt war aber unterschiedlich. Je weiter ich mich von dem zu fotografierendem Objekt entferne, desto schärfer wird mein Motiv. Stelle ich die Kamera und das Objektiv auf manuell ein, kann ich sehr nah an das Objekt rankommen und nur einen kleinen Bereich scharf abbilden.

Schnecke_DSC2034

Ähnlich sieht es mit der Brennweite der Objektive aus. Fotografiere ich mit einem Zoomobjektiv, wirkt die Schärfentiefe unterschiedlich, je nachdem, ob ich nah an das Motiv rankomme oder mich von ihm weiter entferne. Es ist auch generell bekannt, dass man mit Weitwinkelobjektiven mehr Schärfentiefe bekommt als mit einem Teleobjektiv.

Die Größe des Sensors

Wichtig für die Schärfentiefe ist auch die Größe des Bildsensors auf der Kamera, deswegen bekommt man andere Ergebnisse, wenn man mit einem Handy oder einer Kompaktkamera fotografiert, als wenn man eine DSLR zur Hand hat. Auch bei einer DSRL gibt es Unterschiede z.B. zwischen einer Mittelformat- und einer Vollformatkamera.

Schnecke_DSC2042-1

Je größer der Bildsensor der Kamera, desto einfacher kann der Fotograf die Unschärfe kreativ einsetzen. Das ist auch der Grund dafür, dass man auf einer Kompaktkamera oder auf einem Handy alles scharf bekommt und keine kreativen Bilder machen kann. Ich glaube, diese Unterschiede merkt man erst, wenn man sich mit der Fotografie mehr beschäftigt. Ich habe am Anfang auch nicht gewusst, wieso eine DSRL besser als eine Kompaktkamera sein soll. Jetzt verstehe ich die Vorteile einer DSRL. Wie sieht es mit euch aus?

Ich wünsche euch noch einen schönen Restsonntag! Eure bilere

30 Gedanken zu “Schärfentiefe in der Makrofotografie

  1. Pingback: Frühling in der Provence (MakroMontag) – merlanne

  2. Hallo liebe Bilere, lustig, ich war heute gerade bei mir in der Eilenriede „auf der Jagd“ mit meinen Makro. Ich hatte gestern da eine Frühblüherin entdeckt (trotz intensiver Recherche und wälzen meiner Bestimmungsbücher keine Ahnung wie sie heißt), die so abgefahrene Blüten besitzt, da musste ich unbedingt ran. Und bei meinen Bodenverrenkungen sind dann alle Deine Erklärungen auch zum Einsatz gekommen 🙂
    „Habt ihr gewusst, dass die Schärfentiefe berechnet werden kann? Ich frage mich nur, wer tut das schon? “ Ich!! 😀 Die Hyperfokaldistanz nutze ich aber fast ausschließlich bei Landschaftsaufnahmen, wo ich mit den größeren Sensor bei nicht zu kleiner Blende (wegen der Beugungsunschärfen oder der hohen ISO) gute Schärfeergebnisse von vorne bis hinten haben will. Oder bei arrangierten Aufnahmen. Dafür gibt es auch eine App. Mittlerweile habe ich das aber relativ gut im Gefühl, jedenfalls bei meinen gängigen Objektiven und bei häufig genutzten Brennweiten/ Blenden. Aber die Kenntnis von gut 1/3 Schärfe vor dem Fokus gut zwei Drittel hinter dem Fokus kann durchaus auch bei der Makrofotografie hlifreich sein, insbesondere wenn man den Kompromiss zwischen Freistellen mit großer Blende und dennoch genügend Schärfe haben möchte. Ich wünsch Dir eine schöne Woche und schöner Beitrag! LG Simone

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Simone, vielen Dank für deine ausführliche Erklärung. Ich muss dann diese App ausprobieren. Wie heißt sie denn genau? Es freut mich sehr, dass du beim Fotografieren an meinen Beitrag denkst :-). Ich wünsche dir auch noch eine schöne Restwoche. Lg bilere

      Gefällt 1 Person

  3. Eine sehr schöne Erklärung zu diesem Thema. Ich fotografiere schon seit einigen Jahren, aber das mit der Blende und der Belichtungszeit wollte lange nicht schlüssig sein für mich. Bis ich irgendwann die richtige Eselsbrücke gefunden habe, seither weiß ich auch warum ich dies oder jenes tue und die Ergebnisse sind nicht mehr dem Zufall überlassen. Es sei denn, es muss alles schnell gehen, dann kann natürlich alles durcheinander kommen – grins. Vielen Dank fürs Erklären! LG Marion

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank, dass du deine fotografische Erfahrung mit uns teilst. Ich glaube, jedem geht es ähnlich wie dir. Am Anfang sieht alles so kompliziert aus, was man sich als Außenstehender vielleicht gar nicht vorstellen kann. Je mehr man sich auch mit dem Thema beschäftigt, desto komplizierter kann es manchmal erscheinen. Eines Tages erreicht man aber die Grenze und versteht auf einmal alles. Lg & schönen Tag! bilere

      Gefällt mir

    2. Ja, mir ging es nicht anders. Man braucht einfach Zeit, um zu verstehen, wie die Kamera funktioniert und warum Blende wichtig ist. Wenn man es aber gelernt hat, verlernt man es nie wieder. Natürlich kann in Eile passieren, dass etwas schief geht, aber ich glaube, in der Regel kriegt man es schon hin. Vielen Dank, dass du mir deine Erfahrung mit der Blende & der Velichtungszeit mitgeteilt hast. Lg & noch einen schönen Sonntag! bilere

      Gefällt mir

  4. Dein Eintrag kommt zur rechten Zeit. Manchmal verzweifle ich, weil mir die Kamera einen Strich durch die Rechnung macht.Beispiel: ich fotografiere eine gelbe Blume, freue mich, dass mein Foto im sucher passabel aussieht. Später stelle ich am PC fest – alles wurde zu einem gelben Brei. Was ist hier schief gegangen?
    Nun habe ich mir überlegt meine bescheidenen Fotokünste zu vertiefen und werde mich deshalb den Fotofreunden Heidelsheim anschließen.
    Deine Bildle sind allererste Sahne und wundervoll.

    Beste Grüße aus dem Kraichgau
    Helmut

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Helmut, Fotogruppe ist eine gute Idee. Du lernst sicher viel von der Gruppe. Ich weiß nicht genau, welche Einstellungen du wählst, wenn du die Blume fotografierst (Blende, Verschlusszeit usw.). Es kann sein, dass du nicht richtig auf die Blume scharf gestellt hast. Das reicht ja nicht, dass du die Blume im Sucher siehst, der schwarze Punkt muss ja auf die Blume fokussiert werden (Ich schreibe das, weil ich schon oft erlebt habe, dass manche Freunde von mir nicht gewusst haben, wie man scharf stellt, aber das weißt du ja sicher). Man sollte außerdem nur kurz den Auslöser drücken und still bleiben und erst dann nochmal drücken, dann müsste die Blume relativ scharf sein. Das erfordert natürlich etwas Übung, wird aber mit der Zeit klappen. lg bilere

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s