Fotorecht – was darf ich und was nicht?


Wer beschäftigt sich schon mit dem sehr trockenen Thema wie das Fotorecht? Wer macht sich schon mal Gedanken darüber, dass man Probleme bekommen könnte, sobald man fremde Meschen auf der Straße fotografiert und die Bilder veröffentlicht? Das Fotografieren selbst ist dabei das kleinste Problem. Schließlich darf ich ja alles fotografieren, ich darf nur nicht alles veröffentlichen.

Gülistan im Wald_DSC6521.JPG

Wenn man die Menschenfotografie betreibt, ist es sehr wichtig, einen Vertrag mit der zu fotografierenden Person abzuschließen. Egal, ob man sie gut kennt oder nicht. In der Regel gilt auch ein müdlicher Vertrag. Es ist dann halt schwierig, es im schlimmsten Fall vor Gericht zu beweisen ;). Deswegen ist es besser, sich schriftliche Erlaubnis einzuholen, um die Bilder für kommerzielle Zwecke nutzen zu dürfen.

Kasia tanzt_DSC8392

Was sind aber kommerzielle Zwecke? Wird ein Bild kommerziell nur dann verwendet, wenn man die Bilder verkauft und Geld damit verdient? Oder ist ein auf Facebook veröffentlichtes Bild auch als kommerziell einzustufen? Darf man Bilder auf Social Media platzieren, ohne die abgebildete Person darüber zu informieren?

Gülistan_DSC6640.JPG

Wenn man sich vor der Veröffentlichung eines Bildes die Erlaubnis der abgebildeten Person einholen muss, würde es heißen, dass man eigentlich auch berühmte Persönlichkeiten, wie den Präsidenten eines Landes, einen Schauspieler & Co. auch nicht ohne Erlaubnis fotografieren darf, oder nicht? Oder gibt es in dem Fall irgendwelche Ausnahmen? Ja, die gibt es. In der Regel hat die abgebildete Person das Recht am eigenen Bild. Wenn diese Person eine des öffentlichen Rechts ist, dürfen wir sie abbilden. Es sei denn, man dringt in ihre Privatsphäre, blamiert sie, entwürdigt, oder bloßstellt mit dem Bild.

Irina in Rosen_DSC4922.JPG

Solche Ausnahmen betreffen auch Bilder, die als Beweisstück vor Gericht verwendet werden oder wenn man eine sogenannte Übersichtsaufnahme macht und die dargestellte Person nur als Beiwerk zu sehen ist. Nehmen wir an, wir fotografieren eine Kirche und vor der Kirche steht eine Person, die auf dem Bild gezwungenermaßen abgebildet wird. Wir dürfen das Bild wohl veröffentlichen, schließlich war die Person nicht unser Motiv, sie stand nur zufällig daneben. In dem Fall wird die abgebildete Person auch nicht zu erkennen sein, davon gehe ich zumindest aus. Wie steht ihr zu dem Thema? Beschäftigt ihr euch oft damit oder ist das ein Fremdterrain für euch? Ich bin wie immer sehr auf eure Antworten gespannt. Eure bilere

20 Gedanken zu “Fotorecht – was darf ich und was nicht?

  1. Sehr schöner Artikel zu diesem Thema, gerade die Streetfotografie macht(e) mir sehr viel Spaß, aber mit der Zeit erntete ich von den Menschen auf der Straße immer recht unhöfliche Blicke. Ich habe diese Passion in die Ecke gelegt und mich wieder vermehrt, der Natur, meinen Katzen oder Gegenständen gewidmet.
    Man möchte ja auch das Recht der Menschen nicht verletzten und sondern respektieren.

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  2. Ich habe mich seht intensiv mit dem Fotorecht beschäftigt. Es gibt ein gutes Buch dazu:
    https://www.amazon.de/Recht-für-Fotografen-Ratgeber-fotografische/dp/3836225808
    Jeder, der Bilder im Netz veröffentlicht und erst recht kommerziell nutzen will, sollte die Thematik kennen. Könnte sonst böse enden. Ich bin jedenfalls immer erstaunt wie unbekümmert Leute Bilder von anderen im Netz veröffentlichen. Am besten noch mir dem Satz: „Wen es stört, kann sich gerne bei mir melden. Ich entferne das Bild dann!“ Wie „großzügig“ und v.a. wie dämlich, wenn das Bild bereits in den Weiten von Facebook und Co verschwunden ist! Und als Sahnehäubchen hat man dann auch gleich die Rechte auf Nutzung des Bildes an diese Unternehmen abgegeben! Schön, wenn die Person ungefragt irgendwann igendwo kommerziell vermarktet wird!
    Für mich ist klar, wer aus der Gier nach Anerkennung Persönlichkeitsrechte –
    die in Deutschland in Art. 1 und 2 des Grundgesetzes verankert sind – missachtet, überschreitet bewusst die Grenzen der zur Schau gestellten Person. Krass ausgedrückt ist das Missbrauch. Also immer vorher fragen oder auf Veröffentlichung verzichten.
    Nach der Rechtsprechung des BGH kann es sogar im Einzelfall bereits unzulässig und damit strafbar sein, überhaupt ungefragt eine Aufnahme einer Person zu machen Und zwar egal, ob das Foto nur für Privatzwecke oder mit Absicht einer späteren Veröffentlichung genacht wurde. Insofern ist Deine Aussage im Post nicht so ganz richtig. 😉
    Wie gesagt, im Zweifelsfall seinen gesunden Menschenverstand einschalten auf die Aufnahme verzichten! So wie Du es machst mit schriftlichen Einverständnis ist der wirklich beste Weg. Ich glaube es gibt hierfür auch eine App. Ich weiß allerdings nicht wie sie heißt.
    Viele liebe Grüße Simone

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    1. Liebe Fotohabitate, vielen Dank für deinen Kommentar. Unsere Trainer in der Fotoschule behaupten, man darf ein Bild machen, man darf es nicht veröffentlichen. Natürlich darf ich das Bild nicht machen, wenn eine Person ausdrücklich dagegen ist. Ich finde es auch nicht in Ordnung, wenn Menschen Bilder von Google & Co einfach so nehmen und sie irgendwo online stellen, ohne darüber nachzudenken, dass es nicht ihre Bilder sind. Geschweige denn, dass sie das Copyright angeben. Dasselbe gilt schon für eine Textur, das ist auch ein Bild und darf ohne Erlaubnis nicht verwendet werden. Das ist echt ein sehr breites Thema :). Glg bilere

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      1. Ich weiß nicht, ob die österreichische Rechtsprechung dazu eine andere Meinung hat. Z.B. gibt es auch Unterschiede in den Landern hinsichtlich der Auslegung zur Panoramafreiheit. Da gibt’s auch ein Urteil zum Hundertwasserhaus. Deshalb merkte ich in meinem Kommentar auch an, dass es der BGH in D ist, der das Persönlichkeitsrecht so scharf auslegt. Ich kann Dir das Buch sehr empfehlen! 🙂

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  3. Das ist ein sehr interessantes Thema. Ich habe immer wieder das Problem, dass ich auf Reisen gerne die Stimmung einfangen möchte. Dazu gehören meist Menschen oder Gruppen von Menschen die in diesem Schnappschuss etwas symbolisieren sollen. Ich habe schon einige solcher Bilder gehabt, bei denen ich letztlich auf eine Veröffentlichung verzichtet habe, weil mir mein gesunder Menschenverstand gesagt hat: hier könnten Persönlichkeitsrechte verletzt sein.

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    1. Da hast du sehr gut gehandelt. Oft unterschätzt man einfach die Tatsache, veröffentlicht Bilder und denkt, es passiert eh nichts und dann kommt die böse Überraschung, dass man eine Mahnung bekommt. Danke für deine Meinung zu dem Thema. Glg bilere

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  4. Gut, dass du dieses sehr wichtige Thema angesprochen hast. Natürlich ist mir bekannt, dass jede Person das Recht am eigenen Bild hat. Jüngstes Beispiel bei mir: ich war Mitte Juni in Zuffenhausen, dem kleinen und bedeutenden Vorort von Stuttgart. Hans Joachim Stuck, der ehemalige Rennfahrer war auch da. Er ist eine öffentliche Person, die ich ohne Fragen fotografiert habe. Ein andere Geschichte war dann die: ich wurde für das Porshe TV befragt und wollte von der junge Dame, die vor mir in die Knie ging um mich zu befragen, ein Bild machen. sie hat das abgelehnt genau so wie der sie begleitende Kameramann. Ihr Argument: sie unterstehen direkt dem Vorstand und sie hätten vielleicht Ärger bekommen, wenn ich sie in meinem Blog veröffentlicht hätte. das wollten sie nicht riskieren.
    Deine Bilder sind wunderschön. Hast du eine Maskenbildnerin die deine Mädels schmickt oder machst du das selbst.
    Schönen Sonntag.
    Salut
    Helmut

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    1. Lieber Helmut, schön von dir wieder zu hören. Vielen Dank auch für deine netten Worte. Ja, das mit dem Fotorecht ist eine ziemlich heikle Sache. Wenn man Pech hat, kann man Probleme bekommen.
      Schminken kann ich leider nicht. Entweder schminkt sich das Model selbst oder übernimmt es meine Visagistin :). Ganz liebe Grüße nach Deutschland. bilere

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