Langzeitbelichtung – Myrafälle in Muggendorf


Myrafälle_DSC9423Nach meiner Fotowanderung letzte Woche bin ich wieder voll motiviert, um in jeder freien Minute zur Kamera zu greifen und sich auf den Weg nach schönen Motiven zu begehen. Ich überlasse es aber nicht dem Zufall, wie ich es oft bis jetzt getan habe, sondern recherchiere im Internet, was man schönes in der Nähe fotografieren kann.

So war es auch gestern. Ich habe im Google einfach nach schönen Fotomotiven in Niederösterreich gesucht und als Erstes kamen die Myrafälle, die zum Naturdenkmal gehören, an.

Hier einige Eckdaten:
Der Myrabach entspringt ca. 7 km entfernt im Unterberg,  einem Kalksteinmassiv mit vielen Hohlräumen. Im Jahre 1802 wurden die Myrafälle zum ersten Mal in Reiseberichten erwähnt. Ein paar Jahre später, genauer gesagt 1885, haben sich die Mitglieder des Österreichischen Touristenclubs dafür entschieden, die Myrafälle begehbar zu machen.

Ich habe gelesen, dass jeden Tag zirka 5 Millionen Liter Wasser über die Felsenstufen in die Tiefe stürzen. Die Gesamthöhe der Myrafälle beträgt 125 Meter, ist also nicht so hoch wie einige andere Wasserfälle, die ich z.B. in Kärnten kennengelernt habe.

 

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Myrafälle und der Ort rund herum ist für Naturfreunde und für Fotografen ein Volltreffer! Myrafälle liegen in Muggendorf bei Pernitz, ungefähr 60 Kilometer von Wien entfernt, Richtung Wiener Neustadt. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, kann man praktisch direkt vor dem Eingang parken. Vom Parkplatz aus dauert es zirka 1 Stunde hinauf zum Karnerwirt (incl. Hausstein) und nur eine halbe Stunde hinunter, dem Bach entlang. Die Wasserfälle sind zwar nicht so groß, aber es gibt genug Motive zum Fotografieren.

Man geht bergauf, durch den Kaskadenbereich, d.h. dort, wo der Myrabach die Felsen überwindet, man überquert dabei den Bach durch Holzbrücken und Stufen. Der ganze Bereich ist zirka 520 Meter lang und sieht einfach wunderschön aus. Der einzige Nachteil für Fotografen ist, dass man auf einer Brücke nicht lange stehen bleiben kann, weil sie ziemlich eng ist und Wanderer andauernd vorbeigehen möchten. Außerdem ist die „zitternde Brücke“ nicht gut geeignet für eine Langzeitbelichtung. Schließlich will man mit keinen verwackelten Aufnahmen heim kommen. Das wollte ich natürlich vermeiden :-).

Ich habe auch eine Lösung gefunden und bin über den Steg hinaus geklettert, keine Sorge, es war nicht gefährlich. Bei den größten Wasserfällen findet man immer ein ruhiges Plätzchen, wo man das eigene Stativ hinstellen und sich in Ruhe der Langzeitbelichtung widmen kann, ohne Andere beim Wandern zu stören.
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Zur Durchwanderung der Myrafälle wurden 26 Holzbrücken und 8 Stiegen errichtet. Sie werden nach wie vor vom Österreichischen Touristenclub betreut und aufrecht gehalten. Finanziert wird die Instandhaltung durch den Eintrittspreis, der 2,50 EUR pro Person beträgt, also wirklich ein Schnäppchen!

 

Da ich einen Fotoblog betreibe, möchte ich mich nicht nur auf die Beschreibung des Ortes konzentrieren, sondern euch auch an einige Regeln der Fotografie erinnern. Diesmal passt das Thema „Langzeitbelichtung“ perfekt zu meinen Aufnahmen :-).
Regeln für Langzeitbelichtung:

1. Stativ das A und O einer Langzeitbelichtung: Ich habe bereits einen Artikel über Langzeitbelichtung verfasst, es ist aber wichtig, bestimmte Regeln immer wieder zu wiederholen, damit sie ins Langzeitgedächtnis wandern (es sollte kein Wortspiel sein :-)) . Wie der Name schon sagt, möchte man bei einer Langzeitbelichtung länger als sonst belichten. Um ein verwacklungfreies Foto zu bekommen, muss man unbedingt ein Stativ dabei haben.

Ich habe zwei Stative, ein billiges für ungefähr 50 EUR, und ein teures Dreibeinstativ aus Carbon, Sirui N-1204X, das online ungefähr 400 EUR kostet. Dazu habe ich einen K10X Kugelkopf, der mir ermöglicht, meine Kamera auf dem Stativ in verschiedene Richtungen zu bewegen, was natürlich sehr praktisch ist. Bei dem billigen Stativ habe ich die Stabilität nicht gehabt, wenn es nur ein leichter Wind ging, bewegte sich mein Stativ samt der Kamera und das führte wiederum zu Bewegungsunschärfe.

2. Ein Kabel- oder Funkauslöser kann sehr hilfreich sein:  Besonders wenn man länger als 30 Sekunde belichtet braucht man einen Fernauslöser mit Bulb-Funktion.

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3. Ein ND-Filter bei Tagesaufnahmen ist unabdingbar: Wenn man lange Zeit belichtet, muss man unbedingt einen ND (Neutral-Density-Filter), anders als Graufilter bekannt,  auf das Objektiv schrauben, um Überbelichtung zu vermeiden. Besonders bei Wasserfotos ist es wichtig, schließlich ist Wasser weiß und weiße Farbe kann schnell „ausbrennen“. So ein ND-Filter ist nichts anderes als eine Sonnenbrille beim Menschen, er schützt das Objektiv vor der Sonne.

Die Linse eines Objektivs wird dadurch gleichmäßig abgedunkelt und verringert die Lichtmenge, die durch den Filter und das Objektiv auf den Sensor einfällt. Persönlich habe ich ND Filter mit Stärke 4 und 8. Man kann sogar beide Filter auf ein Objektiv drauf schrauben, dann ist der Effekt noch besser. Die Nummer bedeutet die Dichte, je höher die Nummer, desto weniger Lichtmenge wird durch den Filter durchgelassen. Beim ND4 beträgt die Lichtmenge beispielsweise 0,001%, während beim ND-Filter mit Dichte 0,3 die Lichtmenge 50% beträgt.

4. Niedrige ISO-Einstellung: Wenn man lange belichtet, sollte man den ISO-Wert auf höchstens 100 oder sogar auf 50 einstellen. Wenn man höhere Werte einstellt, kommt es leicht zu starkem Rauschen und das wollen wir vermeiden, zumindest in dem Fall (Manchmal kann Rauschen ein schönes Nebeneffekt sein. Oft werden verrauschte Bilder mit Absicht erzeugt). Wenn man natürlich nur wenige Sekunden belichten möchte, um eine Bewegung einzufangen, dann sollte man den ISO-Wert entsprechend erhöhen.

5. Die richtige Blende und die Belichtungszeit sind entscheidend: Um ein scharfes Motiv zu bekommen, muss die Blende richtig eingestellt werden. Man muss nicht die kleinste Blende wählen, besonders wenn man mit einem Weitwinkelobjektiv fotografiert. Die Tiefenschärfe ist bei so einem Objektiv groß genug, auch wenn die Blende offen bleibt.

Als wichtige Regel gilt, Blende um zwei Stufen abzublenden, dann erzeugen Objektive die schärfsten Ergebnisse. So habe ich z.B. für mein Makroobjektiv mit größtmöglicher Blende von F/2,8 (diesen Wert findet ihr auf dem Objektiv) Blende F/5,6 gewählt.

Belichtungsmäßig hängt es davon ab, welches Ergebnis man bestrebt. Möchte man das Wasser milchig haben, sollte man länger als 30 Sekunden belichten. Hier würde ich euch raten, zu experimentieren. Schließlich hängt es von euch ab, welche Aufnahme euch am besten gefällt. Wenn ihr das Wasser einfrieren wollt, reicht eine kurze Belichtung. Die Frage ist, ob solche Bilder interessant für euch sind. Die ersten zwei Bilder habe ich z.B. ziemlich kurz belichtet (1/4 Sekunden, mit Blende F14), ich habe nämlich von Hand fotografiert. Das war aber eine Ausnahme, normalerweise nutze ich mein Stativ und belichte länger :-).

Wasser-Mallnitz2012_373_als

Ich bin sehr gespannt auf eure Fotos und wünsche euch noch einen schönen Sonntag!

PS: Ich versuche seit kurzem meinen Mann von der Fotografie zu überzeugen. Er war mit mir auf der Fotowanderung in Mallnitz, auch gestern waren wir beide in Muggendorf und haben die Wasserfälle fotografiert. Es ist immer einfacher, zu zweit das Wochenende zu verbringen als ganz alleine :-):

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Stjepan in Myrafälle_DSC9488

eure bilere!